In diesem Teil wollen wir uns die Ergebnisse der größeren Parteien und Wählerlisten und sozioökonomischen Daten anschauen. Die Quelle für letztere Daten sind zum einen der Zensusatlas des statistischen Bundesamts. Dort sind verschiedene Merkmale, wie Durchschnittsalter, Haushaltgröße, Eigentümeranteil etc. für ganz Deutschland auf einem Raster von 100x100 Metern verfügbar. Diese 100x100 Meter Raster wurden dem Wahlbezirk zugeordnet, in dem die Mitte des Rasters liegt.
Zum Anderen gibt es noch den Darmstädter Sozialatlas. Hier gibt es Statistiken auf Ebene der statistischen Bezirke Darmstadt. Diese sind größer als die Wahlbezirke. Deshalb wird geprüft zu welchem Anteil ein Wahlbezirk in einem statistischen Bezirk liegt. Den Anteilen entsprechend werden die Werte der Merkmale übernommen. Aus dem Sozialatlas wurden die Daten zum Anteil an Migranten und zum Anteil an Menschen die Transferleistungen beziehen genommen.
Es wurde für jedes der ausgesuchten Merkmale analysiert, ob es mit dem Ergebnis einer Partei zusammenhängt. Dafür wurde für jeden Wahlbezirk das Ergebnis der jeweiligen Partei mit dem Wert des Merkmals abgeglichen und geprüft, ob eine Korrelation vorliegt. Dabei gilt es zu beachten, dass einige Merkmale untereinander auch Korrelieren.
Zensusmerkmale

In diesem Bild sind die Zusammenhänge zwischen den Merkmalen aufgezeigt. Jeder Punkt steht dabei für einen Wahlkreis. So sieht man beispielsweise, dass das Durchschnittsalter eines Wahlbezirks mit dem Anteil an Eigentümern (von Wohnraum), der Fläche je Bewohner und dem Anteil an Ausländern korrliert. Mit den ersten beiden korreliert es positiv. Das heißt, je älter ein Wahlbezirk im Schnitt, desto höher der Anteil an Eigentümern und desto höher die Fläche pro Bewohner. Beim Anteil an Ausländern ist es genau anders herum. Je höher das Durchschnittsalter, desto geringer ist der Ausländeranteil in einem Wahlbezirk.
Demnach würde man erwarten, dass eine Partei, deren Ergebnis mit dem Durchschnittsalter korreliert, dies auch mit dem Eigentümeranteil, der Fläche pro Bewohner und (negativ) mit dem Ausländeranteil tut. Schauen wir uns deshalb zunächst das Durchschnittsalter an.
Faktor Altersdurchschnitt

Wie man sieht, gibt es recht deutliche Zusammenhänge zwischen dem Durchschnittsalter und den Ergebnissen der Parteien CDU und der Linken. Bei der CDU ist die Korrelation positiv, das heißt je Älter ein Wahlbezirk ist, desto stärker ist die CDU dort vertreten. Bei der Linken verhält es sich anders herum. Diese schneidet in jüngeren Wahlbezirken besser ab als in älteren.
Etwas schwächer zeigt sich das auch bei der SPD und Volt. Hier schneidet die SPD in Wahlbezirken mit höherem Durchschnittsalter tendentiell besser ab. Bei ganz hohem Durchschnittsalter ab etwa 45 Jahren wird der Stimmanteil der SPD allerdings wieder weniger. Bei Volt dagegen verhält es sich ähnlich wie bei der Linken, nur sind die Schwankungen nicht ganz so ausgeprägt.
Faktor Durchschnittsmiete

Leichte Zusammenhänge zwischen der Durchschnittskaltmiete und den Stimmanteilen sieht man einerseits bei Grünen und Volt und andererseits bei SPD und AfD. Grüne und Volt sind tendentiell stärker in Wahlbezirken mit höherer Miete. Bei der SPD und AfD ist das genau anders herum.
Bei den Mieten gilt es zu beachten, dass, wie oben zu erkennen, ein kleiner Zusammenhang zum Alter besteht. So ist die Miete in jungen Wahlbezirken etwas höher als in älteren. Dies hängt sicher damit zusammen, dass junge Menschen eher neuere (und damit teurere) Mietverträge haben als ältere.
Zudem bildet die Miete auch eine geographische Verteilung innerhalb Darmstadts ab. So ist im zensusatlas zu sehen, dass die Mieten beispielsweise im Johannesviertel höher sind als im süden Eberstadts.
Faktor Wohneigentum

Beim Faktor Eigentümeranteil ist ein ähnliches Bild vorhanden wie beim Durchschnittsalter. Das verwundert nicht, da es zwischen dem Alter und dem Eigentümeranteil einen deutlichen Zusammenhang gibt.
So sind auch hier die Gegensätze zwischen CDU (je höher der Eigentümeranteil, desto stärker) und Linken (genau anders herum) - und abgeschwächten zwischen SPD und Volt - wieder zu erkennen.
Faktor Wohnfläche

Auch die Wohnfläche je Bewohner hat einen Zusammenhang zum Alter, wie man weiter oben erkennen kann. Viele ältere Personen wohnen in den gleichen Wohnungen wo sie einst als Familie gelebt hatten nun zu zweit oder gar alleine. Daneben ist die Wohnfläche natürlich auch ein Wohlstandsfaktor, den man sich leisten können muss.
Da verwundert es nicht, dass wir erneut den Gegensatz zwischen der CDU, deren Anteil mit steigender Wohnfläche größer wird, und der Linken beobachten können. Bei den restlichen Parteien gibt es dagegen kaum einen Zusammenhang - mit der Außnahme der FDP. Diese werden mit zunehmender Wohnfläche auch stärker. Dabei gibt es hier keinen Zusammenhang mit dem Alter.
Faktor Haushaltsgröße

Betrachtet man den Zusammenhang zwischen durchschnittlicher Haushaltsgröße und dem Stimmanteil der Parteien pro Wahlbezirk, so erkennt man erneut zwei entgegengesetze Gruppen. Einerseits hat man die Parteien Grüne, Linke und Volt, die mit zunehmender Haushaltsgröße schwächer werden und somit eher bei Singlehaushalten beliebter sind. Auf der anderen Seite stehen die CDU, SPD und AfD, die Wahlbezirken mit Haushalten mit mehr Personen stärker sind.
Ein Blick auf die Zusammenhänge der Zensusmerkmale zeigt auch hier wieder, dass man die Faktoren nicht isoliert betrachten sollte. So gibt es eine Korrelation zwischen der Haushaltsgröße und der Kaltmiete.
Faktor Migration


Für den Faktor Migration gibt es zwei Betrachtungen. Die erste basiert auf den Zensusdaten des statistischen Bundesamts, welche sehr detailliert vorliegen, und bezieht sich auf den Anteil an ausländischen Staatsbürgern. Die zweite bezieht sich auf den Darmstädter Sozialatlas. Dieser ist in der räumlichen Zuordnung etwas gröber, listet aber an Anteil von Personen mit Migrationshintergrund auf. Dies sind alle Personen, bei denen mindestens ein Elternteil bei Geburt keine deutsche Staatsbürgerschaft hatte. Dies umfasst natürlich auch alle ausländischen Staatsbürger.
Betrachtet man nun beide Analysen, so erkennt man dass es kaum Zusammenhänge zwischen den Faktoren und den Parteiergebnissen gibt. Linke und CDU haben beim Ausländeranteil einen sehr leichten (und mal wieder entgegengesetzen) Zusammenhang. Betrachtet man nun den Anteil an Personen mit Migrationshintergrund, so wird dieser Zusammenhang etwas schwächer.
Bei der AfD ist auffällig, dass die besten Ergebnisse allesamt in Wahlbezirken mit hohem Anteil an Ausländern und Personen mit Migrationshintergrund liegen. Allerdings gibt es auch Wahlbezirke mit ähnlichem Faktor an Migration und deutlich niedrigeren AfD Ergebnissen. Somit besteht hier kein direkter Zusammenhang.
Faktor Transferbezug

Schaut man sich den Anteil der Bevölkerung mit Transferbezug und die Wahlergebnisse an, so erkennt man auf den ersten Blick einen leichten Zusammenhang zum Stimmergebnis der AfD. Betrachtet man das aber genauer so sieht man, dass dieser Zusammenhang vor allem daher kommt, dass die AfD in den zwei Wahlbezirken mit den (mit Abstand) höchsten Anteilen an Transferbezug besonders viele Stimmen gewonnen hat. Zum Anderen ist die AfD in Wahlbezirken mit sehr geringem Anteil an Transferbezug besonders schwach. Dazwischen ist jedoch kein Zusammenhang zu erkennen. Die restlichen Parteien zeigen ebenfalls keinen Zusammenhang zum Transferbezug.
Fazit
Durch die Analyse zum Zusammenhang von Sozioökonomischen Faktoren und Wahlergebnissen der Parteien haben sich einige Erkenntisse fast durchgehend gezogen. Da wären die Gegensätze in so gut wie allen Faktoren zwischen der CDU und der Linken. Diese hatten meist auch die stärksten Korrelationen zu den Faktoren. Etwas schächer, aber auch oft vorhanden waren da noch die Gegensätze von SPD und Volt und Grünen und AfD. Die FPD und UFFBASSE hatten dagegen kaum Zusammenhänge zu den Faktoren.
Zudem hat man gesehen wie sehr die Zensusfaktoren untereinander zusammenhängen. Viele der Faktoren hatten dabei einen Zusammenhang zum Durchschnittsalter. Dies und die Gegensätze der “Parteiblöcke” hat man auch schon in der vorherigen Analyse erkennen können. Dort wurde das Abschneiden der Parteien nach geographischen Faktoren betrachtet.